Grundlegendes

Das Flussbett verändern


„Man könnte sich vorstellen, dass gewisse Sätze von der Form der Erfahrungssätze erstarrt wären und als Leitung für die nicht erstarrten, flüssigen Erfahrungssätze funktionierten; und dass sich dies Verhältnis mit der Zeit änderte, indem flüssige Sätze erstarrten und feste flüssig würden.

Die Mythologie kann wieder in Fluss geraten, das Flussbett der Gedanken sich verschieben. Aber ich unterscheide zwischen der Bewegung des Wassers im Flussbett und der Verschiebung dieses; obwohl es eine scharfe Trennung der beiden nicht gibt.

Ja. Das Ufer jenes Flusses besteht zum Teil aus hartem Gestein, das keiner oder einer unmerkbaren Änderung unterliegt, und teils aus Sand, der bald hier bald dort weg- und angeschwemmt wird.“
Ludwig Wittgenstein, Über Gewissheit (96-99)



Psychotherapie ist eine Arbeit am Flussbett.

Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens sein eigenes Flussbett geschaffen, das den Boden, die Richtung und Geschwindigkeit des Lebensflusses bestimmt.

Das Flussbett kann durch unterschiedlichste Lebensumstände so beschaffen sein, dass es den Lebensfluss behindert oder sogar gefährlich wird.

Wenn ich mit einem Menschen in Entwicklung gehe, muss ich mich zuerst über die Bodenbeschaffenheit kundig machen.

Erst dann kann ich geeignete Maßnahmen setzen, um das Flussbett zu verändern, um neue Entwicklungen möglich zu machen.

Jeder Mensch verfügt über eigene Ressourcen, die ihm im helfen, am eigenen Lebensglück zu arbeiten. Manchmal aber sind diese Ressourcen blockiert und können erst durch äußere Impulse wieder in Fluss gebracht werden.